30.07.2025
10 Jahre Belcanto-Oper beim KlassikFestival Schloss Kirchstetten
Ab 30. Juli zeigt das Festival im nördlichen Weinviertel Rossinis Opernrarität L’OCCASIONE FA IL LADRO – GELEGENHEIT MACHT DIEBE.
Im Anschluss an die Niederösterreichische Landesausstellung 1998 ins Leben gerufen, geht das KlassikFestival Schloss Kirchstetten im nördlichen Weinviertel heuer bereits in sein 27. Jahr. Gleichzeitig feiert Intendant Stephan Gartner mit seinem Team 2025 ein rundes Jubiläum: Seit genau zehn Jahren liegt der künstlerische Schwerpunkt des Opernprogramms auf dem italienischen Belcanto – jener Stilrichtung, die für Virtuosität, Emotionalität und Esprit steht. Ein mutiger Weg, der sich als künstlerisch wie publikumsmäßig höchst erfolgreich erwiesen hat. Am 30. Juli wartet die zehnte Belcanto-Opernpremiere in Kirchstetten: L’OCCASIONE FA IL LADRO – GELEGENHEIT MACHT DIEBE von Gioachino Rossini.
Nach der NÖ Landesausstellung 1998, die zehntausende Besucherinnen und Besucher ins Schloss Kirchstetten lockte, wurde in Zusammenarbeit mit dem „Gartenopernfestival Graz“ und dem Konservatorium Graz erstmals Oper gespielt. Erst über die Jahre schärfte sich das künstlerische Profil des bis heute vom Verein „Kultur im Schloss Kirchstetten“ ehrenamtlich organisierten Festivals, das auch als „Kleinstes Opernhaus Österreichs“ bekannt ist. „Nach mehreren Mozart-, Verdi- und Puccini-Produktionen wagten wir uns 2015 mit Donizettis L’ELISIR D’AMORE auf Neuland – ein klares künstlerisches Profil hatte dem Festival bis dahin noch gefehlt. Für unser Leading-Team war damals schnell klar, dass diese Art von Musiktheater mit seiner filigranen Schönheit, Leichtigkeit und Spritzigkeit perfekt zum Maulpertsch-Saal von Schloss Kirchstetten passt. So ließen wir bereits 2016 Donizettis DON PASQUALE folgen, und spätestens damit war für uns klar: Wir spezialisieren uns auf Belcanto“, gibt Intendant Stephan Gartner Einblick und führt aus: „Es fühlte sich einfach richtig und stimmig an, denn die Klarheit und Feinheit der Belcanto-Musik verlangt nach Nähe, nach Konzentration auf Stimme und Ausdruck – genau das bietet der Maulpertsch-Saal!“
Seit dieser Positionierung innerhalb der österreichischen Kulturlandschaft sind mittlerweile zehn Jahre vergangen, in denen bekannte, aber auch weniger bekannte Werke des Belcanto-Fachs auf den Spielplan gesetzt wurden. „Vor allem in den vergangenen Jahren konnten wir unser Profil mit Belcanto-Stücken, die selten oder kaum auf einer österreichischen Opernbühne zu sehen sind, weiter schärfen. Im Vorjahr haben wir uns sogar an die österreichische Erstaufführung eines fast 200 Jahre alten Opernschatzes von Donizetti gewagt – ein Experiment, das von unserem Publikum höchst positiv aufgenommen wurde“, so Gartner, dessen persönliches Highlight in zehn Jahren Belcanto-Oper die Corona bedingt in den Ehrenhof versetze Produktion IL SIGNOR BRUSCHINO 2021 war: „Unsere Herangehensweise war es damals, die Intimität, die Oper im Schloss Kirchstetten auszeichnet, auf das Freiluft-Setting im Schlosshof zu übertragen. Für alle Beteiligten war die Produktion eine immense künstlerische wie organisatorische Herausforderung, die ohne unser zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht hätte bewältigt werden können. Der Aufwand unter den außergewöhnlichen Voraussetzungen hat sich letztlich aber gelohnt: In einer gemütlichen Ecke des großen Ehrenhofes wurde ein unglaublich stimmungsvolles und unmittelbares Opernerlebnis geschaffen, das nicht nur mir in besonderer Erinnerung geblieben ist.“
Der Maulpertsch-Saal – das „kleinste Opernhaus Österreichs“
Abgesehen von dieser einen Ausnahme, ist der historische Maulpertsch-Saal die Spielstätte der Kirchstetter Oper – einer der akustisch herausragendsten Konzertsäle des Weinviertels. Maximal 160 Besucherinnen und Besucher können hier Opernvorstellung beiwohnen. Unter dem Motto „Belcanto hautnah“ ist es der künstlerische Anspruch des Festivals, Oper so unmittelbar erlebbar zu machen, wie nirgendwo sonst. Anstatt überbordender Technik und Requisiten stehen die Musik, die Stimmen, die Ausdrucksstärke der Sängerinnen und Sänger sowie die einzigartige Nähe zu ihnen im Zentrum. „Ein unverwechselbares Zusammenspiel aus herausragenden Belcanto-Werken, ideenreichen Inszenierungen, großartigen internationalen Stimmen und der einzigartig-intimen Aufführungspraxis – das ist Oper in Kirchstetten, im kleinsten Opernhaus Österreichs“, fasst Intendant Gartner zusammen, der dieses Alleinstellungsmerkmal auch für die künftige Entwicklung des Festivals genau im Blick hat: „Unser Ziel ist es nicht, quantitativ zu wachsen – das machen bereits andere Festivals in Österreichs – sondern die Qualität, die unser Publikum schätzt, beizubehalten und noch weiter auszubauen. Es darf nicht um kulturelle Massenabfertigung gehen, sondern darum, an sieben bis acht Vorstellungsabenden hochwertige und unvergessliche Opernabende zu schaffen, die vor allem eines möglich machen – ein Musiktheatererlebnis zum Greifen nah!“
Rossinis GELEGENHEIT MACHT DIEBE feiert am 30. Juli 2025 Premiere
Für diesjährige 27. Spielzeit im traditionsreichen Schloss in der Marktgemeinde Neudorf im Weinviertel haben Stephan Gartner, Regisseur Richard Panzenböck und Dirigent Hooman Khalatbari neuerlich ein in Österreich bislang wenig beachtetes Werk aus der Stilrichtung des Belcanto ausgewählt: In seiner Farsa L’OCCASIONE FA IL LADRO – GELEGENHEIT MACHT DIEBE zeigt sich Gioachino Rossini, als Meister der Opera buffa, von seiner besten Seite. Eine simple Verwechslung bei einem Koffertausch entfacht ein unglaubliches Feuerwerk aus Verwirrungen, falschen Identitäten und Liebesintrigen, das das Publikum mitreißt und nicht mehr los lässt. Die Handlung spielt mit menschlichen Schwächen und skurrilen Zufällen – ein cleveres Spiegelbild alltäglicher Missgeschicke, verpackt in humorvolle Arien und Ensembles.
Rossinis geniale Musik verleiht dieser 1812 uraufgeführten Verwechslungskomödie ihre herausragende Dynamik. Vom temporeichen Quartett bis zur virtuosen Koloratur-Arie entfaltet sich ein musikalisches Vergnügen voller Leichtigkeit und Eleganz. „Mit dem typischen Rossini-Schwung und charmantem Witz nimmt dieses spritzige Stück das Publikum mit auf eine kurzweilige Reise, die nach etwa eineinhalb Stunden ein glückliches Ende findet – natürlich nicht ohne ein Augenzwinkern!“, verrät Intendant Stephan Gartner. Am 30. Juli um 20 Uhr feiert die in Österreich kaum gespielte Oper, die Rossini in nur elf Tagen komponiert haben soll, ihre Premiere in der Regie von Richard Panzenböck und der musikalischen Leitung von Hooman Khalatbari.
Ausblick: Große Opernchöre und Rock-Hymnen bei den Sommerklängen im August
Unmittelbar nach der Opernspielzeit im Maulpertsch-Saal warten spektakuläre Orchester-Open-Air-Erlebnisse im wundervoll renovierten Ehrenhof des vom berühmten Baumeister Fischer von Erlach erbauten Schlosses. Am 13. August steht die bereits 15. Ausgabe des größten Klassikkonzerts im Weinviertel, KLASSIK UNTER STERNEN, auf dem Programm – dieses Mal im Zeichen der großen Opernchöre: Die Stimmen und Instrumente von rund 140 Akteurinnen und Akteuren verschmelzen zu einem imposanten Klangkörper und erfüllen den Schlosshof mit weltberühmten Opern-Chorwerken von Verdi über Wagner bis Smetana. Zu den Höhepunkten zählt unzweifelhaft der berühmte Gefangenchor aus NABUCCO.
Nur zwei Tage darauf, am 15. August, bringt die von Kirchstetten-Fans heiß erwartete Rückkehr des Erfolgsformats SYMPHONIC ROCK nach einem Jahr Pause das ehrwürdige Schloss mit Welthits aus Rock und Klassik endlich wieder zum Beben. Unter kräftigem Zutun von Special Guest Eric Papilaya trifft damit zum siebenten Mal in der Geschichte des Festivals die Energie einer Rockband auf die majestätischen Klänge eines Symphonieorchesters. Das Ergebnis ist eine einmalige Symbiose aus Klang, Rhythmus, Intensität und Harmonie.
https://www.schloss-kirchstetten.at
Fotos: Andreas Anker, Patrick Piller
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