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Artemis II: Interview mit Astronaut Stephen Bowen

23.03.2026

Artemis II Mission: Interview mit Charge d’Affaire Howard Solomon und Astronaut Stephen Bowen

Wenige Wochen vor dem Start der Artemis II Mission in Cape Canaveral, konnte Cercle Diplomatique mit Astronaut Stephen Bowen sprechen. Er gehört seit 2000 dem NASA-Astronauten Team an und war zuletzt Kommandant der SpaceX-Crew 6 Mission. Bowen war auf Einladung von Howard Solomon, Chargé d'Affaires der US-Mission to International Organisations in Wien.

CD: Charge d’Affaire Howard Solomon, das „Project Freedom250“ soll zum 250sten Geburtstag der USA, die Erfolge des Landes unterstreichen. Wie hängt das mit dem Weltraum zusammen?

Howard Solomon: Ich denke, das hängt direkt damit zusammen. Wir sind sehr aufgeregt, es ist ein sehr wichtiges Jubiläum für unser Land. Unser Public Diplomacy-Team sowie unsere Botschaften auf der ganzen Welt organisieren Veranstaltungen, ähnlich wie diese, zu denen Astronauten und Wissenschaftler eingeladen werden, um einige der Erfolge hervorzuheben, die wir als USA erzielt haben. Natürlich auch über die Führungsrolle im Weltraum die wir übernommen haben. Das wird Artemis II erneut unterstreichen. Es ist also eine aufregende Zeit bis zum 4. Juli. Schließlich ist das der Geburtstag unserer Nation.

CD: Herr Bowen, wann genau werden wir Menschen zum Mars schicken?

Stephen Bowen: Das ist eine sehr gute Frage. Wir arbeiten momentan genau daran und was ich jetzt auf jeden Fall vorwegnehmen kann: Wir werden zum Mars fliegen. Genau dafür versuchen wir jetzt die richtigen langfristigen Entscheidungen zu treffen. Wenn wir also in Richtung Mars blicken, beeinflusst das natürlich, wie wir gegenwärtig den Mond erforschen werden. Diese Fragen werden uns begleiten, wenn wir mit der Artemis II-Mission die Mondoberfläche erkunden werden. Wir müssen zuerst auf die Mondoberfläche gelangen, diese nutzen und dort lernen sicher zu arbeiten. Wichtige, enorm aufwendige Fragen, stehen dabei im Raum: Zum Beispiel welche potenzielle Energiequelle kommt für den Einsatz auf der Marsoberfläche in Frage? Oder was ist die optimale Crewgröße für den Flug zum Mars? Wir haben all das intensiv diskutiert. Und dabei unsere ganze Erfahrung, sämtliche verfügbaren Forschungsergebnisse und Hintergrundwissen, diskutiert, evaluiert und neu bewertet. Es dauert Jahrzehnte, wirklich Jahrzehnte, um daraus Entwürfe, die notwendigen Konzepte, Lösungen und Fähigkeiten für derartige Herausforderungen auszuarbeiten.

CD: Der Wettbewerb um die Führungsrolle im Weltraum wird intensiver. Wie sehen sie die USA dafür positioniert?

Howard Solomon: Sehen Sie, es gibt viele Länder, die ihre Fähigkeiten im Weltraum ausbauen. Eines der spannenden Dinge an der amerikanischen Führungsrolle und „America First“, wie unser Präsident es formuliert hat ist, dass „America First“ nicht „America Alone“ bedeutet. Wir arbeiten eng mit Partnern aus aller Welt zusammen. Die von Ihnen erwähnte Artemis II Mission umfasst beispielsweise drei Astronauten aus den USA, aber auch einen Kanadier. Und wir arbeiten heute eng mit anderen Ländern zusammen. Wir haben gerade eine ganze Reihe neuer Partner gewonnen. Darunter auch Bangladesch. Es ist eine großartige Aufgabe, all die Ressourcen dieser vielen verschiedenen Länder, ihre Wissenschaftler und Weltraumexperten, zusammenzubringen. Alles, was man auch hier in Wien sehen kann, wenn man an einer Sitzung des Ausschusses für die friedliche Nutzung des Weltraums teilnimmt. Es ist faszinierend, in bei einer solchen Sitzung dabei zu sein.

CD: Wie sehen sie die Entwicklung der internationalen Weltraum-Community?

Stephen Bowen: Diese Community wächst kontinuierlich und steht heute im intensiven Dialog mit Industriesektoren wie Energietransformation, der Zukunft der Mobilität und vielen andern Bereichen. In der Internationalen Raumstation haben wir dazu wichtige Forschungen durchgeführt. Außerdem hat die Faszination der Menschen für den Weltraum sogar noch zugenommen. Ich glaube, vor sechs oder sieben Jahren hielt ich einen Vortrag am MIT. Ich sprach mit einigen Leuten aus Indien, die gerade Weltraumunternehmen gegründet haben. Damals gab es dort 20 oder 30 Weltraumunternehmen. Diese Zahl hat sich verzehnfacht. Es ist erstaunlich, wie schnell sich der kommerzielle Weltraumsektor und die Weltraumgemeinschaft entwickelt haben, und ich denke, das zeigt, wie wichtig unsere Arbeit ist.

CD: Die nächste große Sache ist also die Kommerzialisierung des Weltraums?

Howard Solomon: Oh nein. Das ist nicht die nächste große Sache, das Thema ist schon da. Ich denke, das ist ein wirklich wichtiger Punkt, denn in den USA werden viele unserer Erfolge im Bereich Innovation im Weltraum mittlerweile vom privaten Sektor vorangetrieben. Wir lernen sehr viel im Weltraum. Die Entwicklung der technischen Standards, die für den Weltraum erforderlich sind, bringen uns technisch enorm weiter. Aber der Grund warum wir ins All gehen, ist letztlich, um das Leben hier auf der Erde zu verbessern.

CD: Vielen Dank, für das hochinteressante Gespräch.


Fotos: U.S. Mission to International Organisations in Vienna.


 

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