16.04.2026
Zeit der Monster. Lagebesprechung in einer bedrohten Gegenwart
Unter dem Titel "Zeit der Monster - Lagebesprechungen in einer bedrohten Gegenwart" versammelt das Heeresgeschichtliche Museum (HGM) ab 7. Mai 2026 Expert:innen wie Ingrid Brodnig (Journalistin und Publizistin), Florian Bieber (Karl-Franzens-Universität Graz) und Bettina Habsburg-Lothringen (Museum Joanneum). In performativen Gesprächen werden Krisen, Risiken und Handlungsmöglichkeiten analysiert und Lehren aus der Vergangenheit gezogen. Zugleich wird die Frage gestellt, wie man die erlangten Erkenntnisse in einem militärhistorischen Museum des 21. Jahrhunderts direkt umsetzen kann. "Wenn das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann, beginnt die Zeit der Monster", schrieb der italienische Philosoph Antonio Gramsci 1930. Ein Jahrhundert später scheint der berühmte düstere Befund erneut aktuell. Polarisierung und gesellschaftliche Spannungen nehmen zu, demokratische Institutionen geraten unter Druck, geopolitische Konflikte eskalieren. Zeit zusammenzukommen, zu beratschlagen und zu diskutieren. "Das Heeresgeschichtliche Museum ist ein Ort, an dem militärische, historische und gesellschaftliche Zusammenhänge vermittelt und diskutiert werden. Gemeinsam mit Kurator Alexander Martos haben wir in diesem innovativen Diskussionsformat den Anspruch, Bedrohungen in Vergangenheit und Gegenwart aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und voneinander zu lernen", erklärt Georg Hoffmann, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums. Monster im Wiener Stadtraum
Die Themen der vier Kapitel werden jeweils von einer Monsterillustration verkörpert. Konzept und Creative Direction der Kampagne stammen von der vielfach ausgezeichneten Designerin und Creative Director Astrid Feldner. Für die visuelle Umsetzung entwickelte sie gemeinsam mit dem Illustrator und Digital Artist Niki Hermkes eine Serie digitaler Monsterskulpturen. Diese Figuren stehen für Mechanismen wie Gewaltmobilisierung, Machtspiele, Kriegsökonomien und Krieg. „Die inhaltliche Weiterentwicklung des Museums visuell zu begleiten war mir besonders wichtig, gerade bei einem so relevanten Thema wie Demokratiebildung“, so Feldner. „Ziel war es, nicht historische Ereignisse zu illustrieren, sondern die abstrakten, bis heute wirksamen Mechanismen dahinter greifbar zu machen“, ergänzt Hermkes, der Buchkunst und Grafik-Design an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studierte, sowie aktuell Design und narrative Medien an der Universität für angewandte Kunst Wien.
4 Kapitel, 12 Termine - Analysen aus einem provisorischen "War Room"
Die Veranstaltungsreihe besteht aus vier Kapiteln, wobei jedes Kapitel drei Veranstaltungen umfasst. Jede Veranstaltung beginnt mit einer Lagebesprechung, im Rahmen derer Expert:innen aus verschiedensten Fachbereichen Entwicklungen einordnen. Die eingebrachten Perspektiven werden sicherheitspolitisch eingeordnet und anschließend von einer Museumskommission in die Museumsarbeit übersetzt. Die Veranstaltungen werden aufgezeichnet und die Videodokumentationen für die Vermittlungsarbeit, aber auch für die Bildungsarbeit des Heeresgeschichtlichen Museums herangezogen. Die Reihe wird vom Wiener Kurator Alexander Martos programmiert. Die Veranstaltungen finden unter Einbeziehung militäranalytischer Expertise des Bundesministeriums für Landesverteidigung statt. KAPITEL 1 – KAMPF UM DIE DEMOKRATIE Lage #01, 7.5.2026, 18 Uhr
ENTHEMMUNG. Wie Polarisierung und Propaganda den Weg zur Gewalt ebnen Demokratien sterben nicht über Nacht. Ihrem Zerfall gehen Prozesse der Radikalisierung voraus: Kulturkämpfe, propagandistische Mobilisierung und das Mainstreaming extremistischer Subkulturen verschieben die Grenzen des Sagbaren – und bald schon des Machbaren. Digitale Öffentlichkeiten beschleunigen die Dynamik, die Gewalt nimmt zu. Zum Auftakt der neuen Reihe untersucht die erste Lagebesprechung, wie weit die Enthemmung vorangeschritten ist und welche Handlungsmöglichkeiten bleiben. LAGEBESPRECHUNG: Florian Bieber (Prof. für Südosteuropäische Geschichte und Politik, Uni Graz) • Ingrid Brodnig (Journalistin und Publizistin) • Andreas Kranebitter (Wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes) MUSEUMSKOMMISSION: Georg Hoffmann (Direktor HGM) • Bettina Habsburg-Lothringen (Museum Joanneum) - weitere Expert:innen angefragt
Lage #02, 28.5.2026, 18 Uhr
ANGRIFF. Playbooks und Technologien der Machtübernahme Autoritäre Allianzen folgen heute keinem Drehbuch des Putsches. Sie nutzen strategische „Playbooks“, internationale Netzwerke und digitale Technologien, um das demokratische System und seine Institutionen von innen zu destabilisieren. Von ideologischen Thinktanks über radikale Ideenwelten, bis zur Aushöhlung staatlicher Souveränität durch feindliche Akteure: Die Lagebesprechung untersucht, wie Angriffe auf die Demokratie und der Griff nach der Macht organisiert werden. Aktuelle Informationen zu den geladenen Experten auf:
Lage #03, 18.6.2026, 18 Uhr
AUSSCHALTUNG. Die autoritäre Wende und die entfesselte Macht Nach dem autoritären Takeover beginnt der Umbau des Staates. Erste Gruppen verlieren grundlegende Rechte, freie Medien und unabhängige Justiz werden delegitimiert oder unter Kontrolle gebracht. Schritt für Schritt verschiebt sich das ausbalancierte System von Demokratie und Rechtsstaat in Richtung Autoritarismus – zugleich formiert sich Widerstand. Die Lagebesprechung zieht historische Parallelen, analysiert autoritäre Praktiken und lotet Strategien, Taktiken und Organisationsformen aus, um demokratische Handlungsspielräume zu sichern. Aktuelle Informationen zu den geladenen Expert:innen auf www.hgm.at/zeitdermonster
KAPITEL 2 – POWER GAMES. GEFÄHRLICHE MACHTSPIELE (September und Oktober 2026) Von Ende einer globalen Ordnung und der Rückkehr imperialer Politik zur Krise des Westens? KAPITEL 3 – KRIEG UND ÖKONOMIE (Oktober und November 2026) Von Markt und Macht zu Wirtschaftskriegen und Kriegswirtschaften? KAPITEL 4 – FLÄCHENBRAND (November und Dezember 2026) Von neuen Kriegen und seinen Technologien zum Flächenbrand der Petromoderne und ihren Gegenbewegungen? HGM DISKURSREIHE 2026 Zeit der Monster - Lagebesprechungen in einer bedrohten Gegenwart 12-teiliges Diskursprogramm 2026
7. Mai – 17. Dezember 2026 im Heeresgeschichtlichen Museum Beginn jeweils 18 Uhr bei freiem Eintritt
Das Heeresgeschichtliche Museum
Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien befindet sich seit 2023 in einem Weiterentwicklungsprozess, aber auch in einer Phase der notwendigen baulichen Sanierung. Das Museum versteht sich als Ort, an dem historische Erfahrung und gegenwärtige Fragestellungen miteinander in Beziehung gesetzt werden. Als inklusiver Diskussionsort für Militärgeschichte legt es zentralen Schwerpunkt auf den Menschen als Akteur in der Geschichte, auf die Rolle des Militärs in der Gesellschaft über historische Epochen hinweg sowie auf den Zusammenhang von Krieg und Gesellschaft. Das Heeresgeschichtliche Museum bewahrt derzeit über 1 Million einzigartiger Objekte und zählt – als Teil des Bundesministeriums für Landesverteidigung – zu den ältesten und größten historischen Museen Europas.
Alle Details zu den Terminen auf https://www.hgm.at/zeitdermonster
Eintritt frei nach Anmeldung Idee und Kuratierung: Alexander Martos Bühne: Paul Horn Filmisches Konzept und Lichtgestaltung: Stephan Richter Monstersujets: Niki Hermkes Grafik: Astrid Feldner Produktion HGM: Sonja Prendinger Technik HGM: Daniel Dietl
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