21.04.2026
Antrittsbesuch der belgischen Botschafterin
Landeshauptmann Fellner begrüßte Delegation der belgischen Botschaft in Kärnten – Gespräche über zentrale EU-Themen
Landeshauptmann Daniel Fellner empfing gestern, Montag, die belgische Botschafterin in Österreich, Slowenien und der Slowakei, Caroline Vermeulen, zu einem Antrittsbesuch im Spiegelsaal der Landesregierung. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen Energiepolitik, Fragen der Volksgruppen und die Rolle Kärntens in der EU.
„Das Gemeinsame vor das Trennende stellen“, so beschrieb Fellner seinen Zugang zu seiner neuen Rolle als Landeshauptmann. Diese Einstellung zeige sich in der Volksgruppenpolitik, im Umgang mit den Sozialpartnern und in der Zusammenarbeit mit europäischen Nachbarn. „Der Einsatz am Peršmanhof hat keinen negativen Einfluss auf die freundschaftlichen Beziehungen mit Slowenien. Ein neuer Bericht aus dem slowenischen Parlament bestätigt die gute Zusammenarbeit“, sagte Fellner und betonte auch die Ergebnisse des Dialogforums als modernes Instrument der Volksgruppenpolitik.
Auf europäischer Ebene pflege Kärnten enge Kontakte im Alpen-Adria-Raum – etwa in den Bereichen Wirtschaft, Katastrophenschutz, Kultur, Forschung, Bildung, Nachhaltigkeit, Infrastruktur und Tourismus. Im Rahmen des EVTZ (Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit) mit den italienischen Regionen Veneto und Friaul-Julisch-Venetien sowie mit dem Beitrittskandidaten Istrien und der AAA (Alpen-Adria-Allianz) finden regelmäßig Arbeitstreffen zu gemeinsamen Zukunftsthemen statt.
Für Fellner ist auch die Koralmbahn ein wichtiger Faktor für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung für alle Regionen entlang der Koralmbahn, bzw. der Baltisch-Adriatischen-Achse. In der Energiepolitik sieht er Kärnten auf einem guten Weg: „Wir erzeugen bereits mehr grüne Energie, als wir verbrauchen. Jetzt müssen wir Energiepolitik stärker auf Bundes- und EU-Ebene denken, um unabhängiger zu werden – auch diese Herausforderung endet nicht an den Landesgrenzen.“
Diese Unabhängigkeit sei auch in der Pharmazie und im Digitalsektor entscheidend. Gerade bei Künstlicher Intelligenz müsse Europa auf Souveränität und Datenhoheit achten. Kärnten setze erste Schritte, um KI (Künstliche Intelligenz) in der Verwaltung einzusetzen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten und Bürgerinnen und Bürgern sowie Wirtschaftstreibenden besseres Service bieten zu können.
Botschafterin Vermeulen zeigte sich besonders interessiert an der Zusammenarbeit mit der slowenischen Volksgruppe und an der grenzüberschreitenden Kooperation mit den Regionen im Alpen-Adria-Raum. Sie verwies auf die Sprachgruppen in Belgien und zog Parallelen. Auch Belgien denke an erste Schritte zum Einsatz von KI in der Verwaltung. Die Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern sei dabei eine große Herausforderung – lösbar nur auf europäischer Ebene. Auch in der Energiepolitik sieht Vermeulen Handlungsbedarf. „Europa müsse unabhängiger werden“, sagte die Botschafterin.
Geopolitische Spannungen, etwa in der Ukraine oder im Iran, würden die Verwundbarkeit deutlich machen. Umso wichtiger sei eine engere Zusammenarbeit. Für Vermeulen war es der erste Besuch in Kärnten. Ihr Zuständigkeitsbereich umfasst neben Österreich auch Slowenien und die Slowakei. Begleitet wurde sie von Jean-Philippe Schklar, Handelsattaché der Region Wallonien, Stefan Stolitzka, Honorarkonsul des Königreichs Belgien in Graz und Laurena Marx, Mitarbeiterin der Botschaft des Königreichs Belgien in Österreich.
Zwischen Österreich und Belgien bestehen bereits enge Kontakte im Bildungs- und Forschungsbereich. Die Universität Klagenfurt und die FH Kärnten pflegen Austauschprogramme mit belgischen Hochschulen, darunter die KU Leuven und die Ghent University. Kärntner Unternehmen wie Infineon arbeiten mit der belgischen Elektronikindustrie zusammen, Hasslacher Norica Timber liefert Brettschichtholz für den belgischen Bausektor.
Fotos: LPD Kärnten/Gleiss