09.06.2026
Ukrainischer Botschafter auf Antrittsbesuch in Kärnten
Landeshauptmann Fellner empfing erstmals Vasyl Khymynets – Gespräche über Wiederaufbau, wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kooperationen und Perspektiven der Ukraine
Landeshauptmann Daniel Fellner empfing erstmals den ukrainischen Botschafter, Vasyl Khymynets, zu einem Arbeitsgespräch in Kärnten. Im Mittelpunkt standen die aktuelle Lage in der Ukraine, die humanitären Auswirkungen des Krieges, Perspektiven für den Wiederaufbau sowie Möglichkeiten einer vertieften wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Kärnten und der Ukraine.
Exakt 1.567 Tage sind seit dem völkerrechtswidrigen russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 vergangen. Für Landeshauptmann Daniel Fellner steht fest, dass die Angriffe auf zivile Infrastruktur der Ukraine verheerende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben. „Österreich und Kärnten unterstützen die Ukraine bereits auf verschiedenen Ebenen“, so der Landeshauptmann und verwies auf die Städtepartnerschaft zwischen der Landeshauptstadt Klagenfurt und der westukrainischen Stadt Czernowitz.
„Der Angriffskrieg wirkt in Europa wie ein Beschleuniger für noch mehr Zusammenhalt zwischen den Mitgliedsstaaten“, so Fellner und sieht dies durch regelmäßige Treffen der großen europäischen Industrie- und Militärnationen bestätigt. Der Botschafter bat auch darum, ältere und ausgemusterte Löschfahrzeuge und Gerätschaften der Feuerwehr an die Ukraine zu spenden. Fellner sieht auch Potential im Erfahrungsaustausch zwischen österreichischen und ukrainischen Einsatzkräften: „Wir erleben in der Ukraine nicht nur die Zukunft der Kriegsführung, sondern auch die Zukunft des modernen Katastrophen- und Zivilschutzes.“
Botschafter Vasyl Khymynets erläuterte die Lage an der Front: Diese habe sich durch technischen Vorsprung im Bereich der Drohnentechnologie stabilisiert. „Die ukrainische Bevölkerung hält fest an geregelten Tagesabläufen und –strukturen fest. So wird z.B. der Schulbetrieb in Schutzräume verlegt, Bars und Restaurants haben geöffnet, genau wie Kinos und Theater.“ Der Botschafter erzählte auch, dass die Ukraine an einer neuen Strategie arbeite, um die Auswirkungen des Krieges zu minimieren.
Im Rahmen des Treffens wurde auch über Unterstützungsleistungen für die Ukraine sowie die Bedeutung von Partnerschaften und Kooperationen gesprochen. So sollen etwa Klagenfurt und Czernowitz noch enger auf wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene zusammenarbeiten, Kinder aus der Ukraine einen kleinen Urlaub in Kärnten verbringen und ausgemusterte Feuerwehrtechnik an die Ukraine gespendet werden. Beide betonten die Wichtigkeit eines kontinuierlichen Austauschs und einer engen Zusammenarbeit auf europäischer und bilateraler Ebene. Auf Einladung des Botschafters möchte der Landeshauptmann eine kleine Wirtschaftsdelegation zusammenstellen und das ukrainische Industriezentrum besuchen lassen.
Die Ukraine zählt rund 38 Millionen Einwohner. Millionen Menschen wurden seit Kriegsbeginn innerhalb des Landes oder ins Ausland vertrieben. Die Ukraine verfügt über bedeutende landwirtschaftliche Produktionskapazitäten und zählt weltweit zu den wichtigsten Exporteuren von Getreide, Mais, Gerste sowie Sonnenblumenöl. Damit spielt das Land eine wichtige Rolle für die globale Ernährungssicherheit und den europäischen Handel. Darüber hinaus exportiert die Ukraine Rohstoffe wie Eisenerz und Stahl sowie Bauteile für die Automobil- und Maschinenbauindustrie.
Fotos: LPD Kärnten/Wajand